Pro-Patient-Mittelhessen
Forum für mündige Patienten
Erfahrungen/Meinungen von Patienten
Erfahrungen/Meinungen von Patienten

Die folgenden Berichte sind nur ein Ausschnitt dessen, was von Patienten an kritikwürdiger Versorgung berichtet wird. Die Anonymität der Patienten ist deshalb wichtig, weil sie sonst zur Veröffentlichung nicht bereit wären; sie fürchten andernfalls Benachteiligungen, wenn sie wieder einmal auf die Klinik angewiesen sein sollten.

Ebenso ist es unerlässlich, dass die Abteilungen und die Daten der Behandlung ungenannt bleiben, um zu verhindern, dass einzelne Personen des Klinikspersonals unter Druck gesetzt werden können. Denn damit wären die tieferen Ursachen der Missstände nicht behoben, die in der Struktur des Klinikums als einem proftorientierten Unternehmen liegen.

Dieses Dilemma wird von der Kliniksleitung dazu missbraucht zu behaupten, dass es sich um wenige Einzelfälle handele, denen man nicht nachgehen könne, weil sie anonym seien. Wenn es der Leitung der Rhön-Kliniken wirklich um eine sachliche Ermittlung der Versorgungsqualität gehen würde, gäbe es ein einfaches Mittel: Die Beauftragung eines externen Instituts mit Patienten- und Mitarbeiterbefragungen zur Qualitätsverbesserung. - Andere Kliniken sind diesen Weg gegangen - auch Universitätskliniken, aber die sind nicht in Privathand!


Die Identität der Personen, von denen die folgenden Erfahrungsberichte stammen, ist dem Bürgernetzwerk Pro-Patient-Mittelhessen bekannt.


... Da sollte ich Montag früh um 7.30 h erscheinen, um einen kleinen Eingriff vornehmen zu lassen, für den nur eine Nacht Aufenthalt in der Klinik notwendig war. Es sollte ein Port unter der Haut eingepflanzt werden, damit in Zukunft die Infusionen für die Chemotherapie einfacher verabreicht werden können.
Die Operation fand nicht statt, weil an diesem Tag ungewöhnlich viele Operateure erkrankt waren. Das mag einmal vorkommen; so wurde die Operation auf den nächsten Vormittag verschoben.
Ich hätte den Tag und die folgende Nacht in der Klinik bleiben können. Aber ich zog es vor, die Wartezeit zu Hause zu verbringen. Der Grund: In der Klinik und auf Station herrschten an diesem Vormittag derartig katastrophale hygienische Zustände, dass ich den dadurch entstehenden Gesundheitsrisiken nicht ausgesetzt sein wollte, zumal mein Immunsystem wegen meiner Krankheit ohnehin geschwächt war. Schon auf den Fluren hinter dem Haupteingang, weiter in Treppenhäusern und Aufzügen lagen Papierschnipsel , gebrauchte Papiertaschentücher und Obstschalen am Boden. Schlimmer noch im Krankenzimmer, das mir zugewiesen werden sollte: Der (nicht kleine) Mülleimer quoll über von Verbandsmaterial, Papiertüchern und Windeln. Offenbar werden die Reinigungskräfte an Wochenenden eingespart!

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Der Operationstermin stand 10 Tage vorher fest. Dennoch, meine stationäre Aufnahme dauerte viereinhalb Stunden. Manche Formulare mussten mehrfach ausgefüllt werden. Manche Unterschrift war zu leisten, ohne dass ausreichend Zeit war in Ruhe durchzulesen, worum es ging. Man wollte ja den Betrieb nicht aufhalten. Dabei wäre es einfacher gewesen, mir all den Papierkram in den zehn Tagen vorher zuzuschicken. Da hätte man Zeit gehabt in Ruhe zu lesen und Fragen aufzuschreiben. - Aber so war es nicht.
Auch das Gespräch mit dem Anästhesisten fand unter Zeitdruck statt. Zwar ging er auf alle Fragen bereitwillig ein. Aber fiel einem in der Stressituation alles ein, was zu fragen gewesen wäre? z. B. die Frage, ob die Klinik mit wiederaufbereitetem Einmalbesteck arbeitet- sie wurde nicht gestellt! Mehrmals kam es mir vor, ich müsse den Ärzten und Mitarbeitern einfach nur vertrauen. Meine Rolle als mündiger Patient hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt.

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... Ich wurde angerufen, die Patientin könne gleich nach der Visite abgeholt werden und nach Hause fahren. Dann allerdings galt es zu warten: von 9.15h bis 11.15 h. Auf Rückfragen hieß es , es müsse nur der Arztbrief, der mitgegeben werden sollte, noch fertiggestellt werden. Erst nach einer sehr heftigen Intervention, dass es ja kaum zumutbar sei, einen Krebspatienten wegen eines Briefes 2 Stunden auf der Bettkante sitzen zu lassen, kam Bewegung in die Sache und es wurde zugesagt, dass der Brief nachgeschickt wird -oder am Nachmittag abgeholt werden kann.

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Es ist Sonntag und ich soll entlassen werden. Ich habe eine Operation hinter mir. Der Körper musste dafür nicht geöffnet werden. Die Wiederherstellung verläuft bislang ganz gut. Der Katheter wurde Samstag gezogen. Bei der letzten Chefarztvisite am Freitag gab es grünes Licht für die Entlassung am Sonntag, wenn keine Kompliktionen vorkommen. Komplikationen hat es nicht gegeben. Der diensthabende Arzt am Sonntag sagt mir, er weiß nichts von einer Entlassung. Er könne sie nicht verantworten. Ich verweise auf die Aussage des Chefarztes. Davon weiß er auch nichts. Ich verlasse die Klinik auf eigenen Verantwortung. Hilfen und Hinweise fürs Verhalten zu Hause bekomme ich nicht.

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Dem Krankenpfleger macht es sichtlich Mühe, die Vene zu finden, um Blut abzunehmen.Vor der Entlassung sollen noch einmal Laborwerte ermittelt werden. Dem Pfleger stehen Schweißperlen auf der Stirn. Seine Einstichversuche bereiten Schmerzen. Er entschuldigt sich damit, dass früher nur Ärzte Blut abgenommen haben. Jetzt – nach der Privatisierung - müssten das die Pflegekräfte tun, ohne dafür hinreichend geschult zu sein. Es ist eine sehr kleine Blutmenge, die der Pfleger gewinnen kann. Im Laborbericht heißt es später zu 8 Vergleichswerten, die bestimmt werden sollten: „Materialmenge zu gering". Die Entlassung findet dennoch statt.

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Nachts auf der Intensivstation: Nach der Operation wird ständig Spüllösung in die Blase eingebracht. Über einen anderen Katheter wird Blut, Urin und Spüllösung herausgespült. Mitten in der Nacht kommt es zu Verstopfungen im Abfluss, was zu Schmerzen beim Patienten führt. Ein Pfleger beseitigt die Verstopfung, indem er mit einer großen Spritze einen Sog im Katheter erzeugt und so den festsitzenden Blutpfropf herauszieht. Der Vorgang wiederholt sich mehrmals; eine halbe Stunde arbeitet der Pfleger fieberhaft. Auf die Bitte des Patienten, einen Arzt zu rufen, bekommt er die Antwort, der könne auch nichts anderes machen. Am kommenden Morgen fragt der Arzt den Pfleger, warum er ihn nicht gerufen habe. Der Patient fragt sich, warum während der Nacht stundenlang überhaupt kein Arzt auf der Intensivstation zu sehen war.